Definitionen

Motopädie

Der Fachbereich MOTOPÄDIE verknüpft psychologische, pädagogische, sport- und erziehungswissenschaftliche Inhalte mit medizinischen Erkenntnissen und Methoden.

Zentraler Ansatz der Motopädie ist die Bewegung und die Wechselwirkung zwischen dem Körper und der Psyche des Menschen. Letzterer wird auch in dem international anerkannten Begriff PSYCHOMOTORIK zum Ausdruck gebrachtBewegung wird verstanden als ein wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung in der Auseinandersetzung des Menschen mit seinem Körper sowie mit dem materialen und sozialen Umfeld. Das der Motopädie zugehörige Forschungs- und Lehrgebiet ist die Motologie. Die Motologie entspricht der inzwischen im europäischen und angloamerikanischen Raum vertretenen Wissenschaftsdisziplin PSYCHOMOTORIK.

Charakteristische Merkmale für die motopädische Arbeitsweise:

  • Körper, Geist und Seele als funktionale Einheit,

  • Mehrdimensionalität,

  • die Beziehung zum Menschen als Grundlage,

  • Ressourcenorientiertheit,

  • Achtung und Einbeziehung der Emotionalität,

  • Handlungs-, Erlebnis- und Konfliktorientiertheit,

  • Selbstwirksamkeit,

  • Formung eines positiven Selbstkonzeptes,

  • Aktivierung von Selbstheilungskräften,

  • Nutzung gruppendynamischer Prozesse,

  • Berücksichtigung systemischer Faktoren.

MOTOPÄDIE umfasst die Inhalte und Methoden der MOTOPÄDAGOGIK und MOTOTHERAPIE.

Je nach Arbeitsschwerpunkt und Praxisfeld ist die motopädische Arbeit mehr pädagogisch-präventiv oder therapeutisch-rehabilitierend ausgerichtet.


Motopädagogik

Motopädagogik ist ein Erziehungskonzept und zielt darauf ab, Störungen motorischer, perzeptiver und zugleich sozial-emotionaler Lernprozesse vorzubeugen und Fehlentwicklungen zu verhüten.

Motopädagogik versteht sich als ein Fachgebiet der Pädagogik, das praktisch die wissenschaftlich gestützten Methoden der Erziehung durch Bewegung anwendet.

Unter Berücksichtigung der Gesamtpersönlichkeit des Menschen werden physische, psychische und psychosoziale Ressourcen gestärkt. Ziel ist die Entwicklung eines nachhaltigen, gesundheitsorientierten (Bewegungs-) Verhaltens.

Im Rahmen dieses präventiv-entwicklungsfördernden Auftrages erfahren Kinder, Jugendliche und Erwachsene gezielte Anregung in den Bereichen:

  • Körperkoordination, Bewegungssteuerung und Haltungskontrolle,

  • Wahrnehmung und sensorische Integration,

  • emotionale Entwicklung,

  • Bewegungs- und Handlungsplanung,

  • Fein- und Graphomotorik,

  • Sozialkompetenz,

  • Konzentration und Aufmerksamkeit.


Mototherapie

Mototherapie ist ein Behandlungskonzept.

Mototherapie ist bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen geboten, die auf Grund gestörter sensomotorischer und psychomotorischer Funktionen in ihrem Bewegungs-, Leistungs- und Sozialverhalten sowie ihrer Emotionalität auffällig oder auch erheblich beeinträchtigt sind.

Mototherapie ist insbesondere bei Indikationen angezeigt, die nicht ausschliesslich körperlich-organische Ursachen haben, sondern auch durch psychosoziale Störungen oder traumatische Erfahrungen verursacht sein können.

Im Mittelpunkt der Therapie steht die gesamte Persönlichkeit des Klienten und die Formung eines positiven Selbstbildes. Dementsprechend umfasst Mototherapie therapeutisches Handeln auf pädagogischer Grundlage ebenso wie pädagogische Einwirkung in therapeutischem Kontext und in therapeutischer Absicht.

Im Rahmen der therapeutischen Intervention werden Auffälligkeiten, Störungen oder Behinderungen mit dem Ziel der Rehabilitation behandelt.

Lern-, Leistungs- und Verhaltensstörungen wie:

  • Hyperaktivität bzw. Hypoaktivität,

  • aggressive, auto-aggressive und regressive Verhaltensweisen,

  • Konzentrationsstörungen,

  • Leistungsverweigerung und sozialer Rückzug,

  • Beeinträchtigungen in der Kontaktaufnahme, in der Kommunikation und im Ausdrucksverhalten,


die in Kombination mit folgenden Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen auftreten:

  1. Verzögerungen oder Störungen im kinästhetischen (bewegungsempfindenden), taktilen, vestibulären (gleichgewichtsempfindenden), visuellen, akustischen und visceralen Bereich,

  2. beeinträchtigtes Empfinden und Erleben der eigenen Körperlichkeit sowie begrenzte oder gestörte Bewusstheit des Körperschemas,

  3. Störungen in der Handlungsplanung und -durchführung sowie in der Raum- und Zeitorientierung,

  4. Störungen in der grob- und feinmotorischen Koordination mit evtl. auftretenden Seitendifferenzen,

  5. Störungen der Bewegungskontrolle, Kraftdosierung, Gleichgewichtskontrolle und Tonusregulation,

  6. Störungen in der Visuo- und Graphomotorik, der Hand- und Fußgeschicklichkeit,

  7. Verzögerungen in der Seitigkeits- und Dominanzentwicklung,

  8. Störungen oder Verzögerungen in der Sprach- und Sprechentwicklung bei gleichzeitigen senso- und psychomotorischen Störungen.